ICH MUSSTE MICH BETÄUBEN

ich musste mich betäuben

um dich nicht am flughafen 

zu empfangen


wie so ein idiot


weil du 

wieder zurückkamst

in die verregnete stadt

derzeit


ich musste 

mich liebevoll betäuben


wie so ein idiot


um körperlich so schwach zu sein

dass ich nicht wie ein dämlicher idiot

am ausgang des ankommen-terminals stehe

um dir zu zeigen wie sehr ich mich freue

dich möglicherweise wiederzusehen


ich musste mich

den ganzen tag lang schon

betäuben


meine chefs riefen an

sie fragten

wo ich denn bin

was ich besseres zu tun habe

als meinen dienst zu tun


weisst du

vielleicht bedeutet das

die kündigung

vielleicht bedeutet es das ende

meines bisherigen lebens


vielleicht werde ich darüber verrückt

verliere meinen verstand

vielleicht werde ich 

ein anderer mensch


aber

ich musste mich 

den ganzen tag lang schon

liebevoll betäuben


weil ich weiß


dass du wieder

in der stadt bist


dass du

wieder 

in der stadt bist


zumindest

in der nähe


zumindest

in der nähe

DIE STILLEN SONNEN EINES LEBENS

ich weiß 

dass du die welt 

anders siehst


ich sehe die welt nicht so

wie du sie siehst


ich liebe dich dafür

dass du die welt anders siehst

als ich


es ist wie die ruhe

in der nacht

oder am frühen morgen 

neben dir zu sitzen

und bei dir zu sein

während du die welt siehst

wie nur du sie siehst


ich bin bei dir

solange ich darf

um für dich da zu sein

wenn es notwendig ist 


ich bin bei dir 

während du lachst 

und weinst darüber 

wie du die welt siehst

und fühlst 

wie sie in allen möglichkeiten 

in dir versinkt


erstrahlt

explodiert

verdunkelt

sich ausbreitet

erlischt


ich weiche nicht

von deiner seite


 - all das

geht über


von dir

in mich

KEIN DING DER UNMÖGLICHKEIT

– alles will umarmt 

sein und wenn es nur 

regen ist –

EIGENTLICH DENKE ICH TÄGLICH

mehrmals an dich


ich bin mir dessen

nicht wirklich bewusst


aber wenn ich genau 

darüber nachdenke


dann denke ich 

täglich 


mehrmals 

an dich


ich erinnere mich

an den samtenen geschmack 

deiner lippen und deiner zunge


ich erinnere mich

an die sanfte berührung 

deiner nach mir suchenden fingerspitzen


ich erinnere mich

an den moment

in dem unser gemeinsames atmen

plötzlich klang wie das geräusch 

von anbrandenden wellen


wind wurde

alles


wie wir 

in absoluter zufriedenheit

vereint


der schmale grat

zwischen küste und ozean wurden


wie ich dein handgelenk 

vorsichtig umklammert

von schwerkraft befreit

dieser welt 

ins reich der träume entfloh


ich erinnere mich

und überhaupt lebe ich

derzeit viel in erinnerungen


eigentlich denke ich

täglich


mehrmals an dich


ich bin mir dessen

nicht wirklich bewusst


aber wenn ich genau 

darüber nachdenke


dann denke ich 

täglich 


mehrmals 

an dich


WAHRE LIEBE

wahre liebe

schlummert in den tiefen

sie lebt in höhlen


die manchmal von brandung durchflutet werden

manches mal liegen sie brach

man kann dann in sie hineinrufen

und ein echo hören


das echo

der eigenen stimme


wahre liebe

schlummert in den tiefen

sie lebt in tiefen tiefen höhlen


manchmal sucht ein tier unterschlupf darin

manches mal auch ein mensch

weil jedes wesen sucht ab und an schutz


vielleicht wegen des regens

vielleicht wegen der zu vielen sonne

vielleicht weil es einem nicht so gut geht

vielleicht weil man kurz mal seine ruhe braucht

oder schlafen muss

ohne völlig ungeschützt

gefressen zu werden


wahre liebe

schwimmt nicht an der oberfläche

wahre liebe taucht

– tief


zumindest in unseren breitengraden


sie sitzt in den schläfen

den handgelenken

den fußknöcheln

der armbeuge

sie sitzt im grunde direkt

in jeder beinahe verborgenen ecke

hinter deinem ohr

in deinen augen


sie sagt nichts

sie flüstert nicht

sie macht keinen laut


sie sucht

und findet

irgendwann

unabdingbaren schutz


in dir


sie ist einfach nur

da


wahre liebe

schlummert in den tiefen

zumindest in unseren breitengraden


lebt sie in höhlen


sie sagt nichts

sie flüstert nicht

sie macht keinen laut