DAS LICHT EINER THEATERBÜHNE UND DIE STILLE EINER WERKSTATT

als ich – sozusagen nebenbei –
per kurznachricht erfahren habe
dass du einen neuen freund hast
saß ich unter dem vordach des theaters
und fühlte rein gar nichts

ich war aus meiner werkstatt
zur mittagspause gegangen
obwohl ich nie mittagspause mache
um dort einen kaffee zu trinken
und durchzuatmen

ich saß auf dem menschenleeren theatervorplatz
zwischen plastikstühlen und tischen
nachdem ich als einziger gast
den schon die tür zur mittagspause abschließenden kellner
zu einem letzten kaffee für mich überredet hatte

beinahe zeitgleich begann
der angekündigte regen

steigerte sich
zu einem infernalischen unwetter
ein dichter vorhang
aus zerrissenen regenfäden
ging vor mir nieder

als säße ich in einem hohlen raum
hinter einem wasserfall

eine schamlos in alle richtungen
gewachsene kletterpflanze
explodierte in neonlilanen blüten
an der grauen garagenwand gegenüber

ich betrachtete
wie der in massen fallende regen
beinahe einem wildbach gleich
im abflussgitter
inmitten des platzes
verschwand

mir war
etwas verkehrt zumut

dann ließ der regen nach

das rinnsal
das regenrauschen
verebbten

ich trank den kaffee aus
ließ das geschirr
auf dem plastiktisch

stand auf
und ging

nicht auf direktem weg
zurück in die werkstatt